CONFESSIO HELVETICA PRIOR (sive BASILEENSIS POSTERIOR).
The First Helvetic Confession. A.D. 1536.
[This Confession was composed by a number of Swiss divines (Bullinger, Grynæus, Myconius, and others), delegated and assembled for the purpose, in the city of Basle, A.D. 1536. It is the first Confession which represented the faith of all the Reformed cantons of Switzerland; the preceding ones had merely a local authority. It is called the First Helvetic Confession to distinguish it from the Second Helvetic Confession (1566), which acquired still greater authority. It is also less aptly called the Second Confession of Basle (Conf. Basileensis Posterior), from the place of its composition and publication, in distinction from the First Confession of Basle, or of Mühlhausen (1534), which continued in force in these two cities. See the History, Vol. I. §§ 53 and 54. The Latin text was published first under the title: Ecclesiarum per Helvetiam Confessio Fidei summaria et generalis. It is reproduced in the Corpus et Syntagma, and in Niemeyer's Collectio (pp. 115-122). The German text in the Swiss dialect was prepared by Leo Judæ, and is of equal authority with the Latin, although it is a free and enlarged translation. I give it in High-German, which is more intelligible. It appeared with the following title and introductory note:
'Ein gemeine bekantnus des helgen waren und uralten Christlichen gloubens und unsern mittburgern und Christlichn gloubgnossen, etc. Zurich. Bern. Basell. Straßburg. Costenz. Santgalln. Schaffhusn. Millhusn. Biel. etc. zbasell uffgericht geordnet und gmacht uff wytern bscheid, etc. Im 1536. 1. 2. 3. et 4. Februariy.
'Ein kurtze und gemeine bekantnuß des gloubens der kelchen so in einer Eidtgnoschafft das Evangelium Christi angenomen habend, allen glöbigen und fromen zu erwegen, zu beschatzn und zu urteilen dargestelt. 1 Pet. iii.; 1 Joh. iv.']
I. Von der heiligen Schrift. I. De Scriptura Sacra. Die heilige, göttliche, biblische Schrift, die da ist das Wort Gottes, von dem heiligen Geiste eingegeben, und durch die Propheten und Apostel der Welt vorgetragen, ist die allerälteste, vollkommenste und höchste Lehre, und begreift allein alles das, was zur wahren Erkenntniß, Liebe und Ehre Gottes, zu rechter, wahrer Frömmigkeit und Anrichtung eines frommen, ehrbaren und gottseligen Lebens dienet. [102] Scriptura canonica Verbum Dei, Spiritu Sancto tradita, et per prophetas apostolosque mundo proposita, omnium, perfectissima et antiquissima Philosophia, pietatem omnem, omnem vitæ rationem sola perfecte continet. [103] II. Von Auslegung der Schrift. II. De Interpretatione Scripturæ. Diese heilige, göttliche Schrift soll nicht anders, als aus ihr selbst ausgelegt Hujus interpretatio ex ipsa sola petenda est, ut ipsa interpres
und erklärt werden durch die Richtschnur des Glaubens und der Liebe. [104] sit sui, caritatis fideique regula moderante. [105] III. Von den alten Lehrern. III. De Antiquis Patribus. Wo nun die heiligen Väter und alten Lehrer, welche die Schrift erklärt und ausgelegt haben, von dieser Richtschnur nicht abgewichen sind, [106] wollen wir sie nicht allein für Ausleger der Schrift, sondern für auserwählte Werkzeuge, durch die Gott geredet und gewirkt hat, erkennen und halten. A quo interpretationis genere, quatenus sancti patres non discessere, eos non solum ut interpretes Scripturæ recipimus, sed ut organa Dei electa veneramur. IV. Von Menschenlehren. IV. De Traditionibus Hominum. Was sonst menschliche Lehren und Satzungen sind, sie seien so schön, hübsch, angesehen und lange gebraucht, als sie nur wollen, die uns von Gott und dem wahren Glauben abführen, halten wir für eitel und kraftlos, wie es der heilige Matth. 15 selbst bezeugt, da er spricht: Sie ehren mich vergebens, wenn sie lehren die Lehren der Menschen. [107] Per cætera de traditionibus hominum quantumvis speciosis et receptis, quæcumque nos abducunt, sic illud Domini respondemus, Frustra me colunt docentes doctrinas hominum. [108] V. Was der Zweck der heiligen Schrift sei, und worauf sie zuletzt hinweise. V. Scopus Scripturæ. Die ganze biblische Schrift sieht allein darauf, daß der Mensch verstehe, daß ihm Gott günstig sei und wohlwolle, und daß er diese seine Gutwilligkeit durch Christum, seinen Sohn, dem Status hujus Scripturæ canonicæ totius is est, bene Deum hominum generi velle, et eam benevolentiam per Christum Filium suum declarasse. Quæ fide
ganzen menschlichen Geschlecht öffentlich dargestellt und bewiesen habe, die aber allein durch den Glauben zu uns komme, allein durch den Glauben empfangen, und durch die Liebe gegen den Nächsten gezeigt und bewiesen werde. [109] sola ad nos perveniat recipiaturque, caritate vero erga proximos exprimatur. [110] VI. Von Gott. VI. Deus. Von Gott halten wir also, daß ein einiger, wahrer, lebendiger und allmächtiger Gott sei, einig im Wesen, dreifaltig in der Person, der alle Dinge durch sein Wort, das ist, durch seinen Sohn, aus nichts geschaffen habe, und alle Dinge durch seine Vorsehung recht, wahrhaft und weise regiere, verwalte und erhalte. [111] De Deo sic sentimus, unum substantia: trinum personis, omnipotentem esse. Qui ut condiderit per verbum, id est, Filium suum, omnia ex nihilo, sic providentia sua juste vereque et sapientissime gubernet: servet: foveat omnia. VII. Von dem Menschen. VII. Homo et Vires ejus. Der Mensch, das vollkommenste Bild Gottes auf Erden, unter allen sichtbaren Geschöpfen das edelste und vornehmste, ist aus Leib und Seele zusammengesetzt; der Leib ist sterblich, die Seele unsterblich. Dieser Mensch, der von Gott recht und wohl geschaffen war, ist durch seine eigne Schuld in die Sünde gefallen, und hat das ganze menschliche Geschlecht mit sich in diesen Fall gezogen, und solchem Elend unterwürfig gemacht. [112] Homo perfectissima Dei in terris imago, primasque creaturarum visibilium habens, ex anima et corpore constans, quorum hoc mortale, illud immortale est, quum esset sancte a Deo conditus, sua culpa in vitium prolapsus, in eandem secum ruinam genus humanum totum traxit, ac eidem calamitati obnoxium reddidit. [113] VIII. Von der Erbsünde. VIII. Originale Peccatum. Diese Erbsünde [114] und ursprüngliche Atque hæc lues, quam originalem
Sünde hat das ganze menschliche Geschlecht so durchdrungen, und hat es so verwüstet und vergiftet, daß dem Menschen, der ein Kind des Zornes und ein Feind Gottes geworden war, Niemand als Gott durch Christum helfen oder ihn wiederherstellen konnte, und was in ihm Gutes übrig geblieben ist, das wird durch tägliche Mängel und Gebrechen [prästen] für und für geschwächt; so daß es noch ärger wird; denn die Kraft der Sünde un des Gebrechens [prästen] in uns ist so mächtig, daß weder die Vernunft dem, was sie erkannt, nachkommen, noch der Verstand das göttliche Fünklein pflanzen und weiterbringen kann. [115] vocant, genus totum humanum sic pervasit, ut nulla ope iræ filius, inimicusque Dei nisi divina per Christum curari potuerit. Nam si quid frugis hic bonæ superstes est, vitiis nostris assidue debilitatum, in pejus vergit. Superat enim mali vis, et nec rationem persequi, nec mentis divinitatem excolere sinit. [116] IX. Von der freien Willkür, die man den freien Willen nennt. IX. Liberum Arbitrium. Deßhalb schreiben wir dem Menschen eine freie Willkür also zu, weil wir an uns selbst befinden, daß wir mit Wissen und Willen Gutes und Böses thun. Das Böse können wir von uns selbst thun, das Gute aber können wir weder annehmen, noch vollbringen, wir seien denn durch die Gnade Christi erleuchtet, erwecket und getrieben; denn Gott ist der, der in uns das Wollen und Vollbringen wirkt, nach seinem guten Willen; aus Gott ist unser Heil, aus uns aber ist nichts, als Sünde und Verdammniß. [117] Unde sic homini liberum arbitrium tribuimus, ut qui scientes et volentes agere nos bona et mala experimur, mala quidem agere sponte nostra queamus, bona vero amplecti et persequi, nisi gratia Christi illustrati, Spiritu ejus impulsi, non queamus. Deus enim is est, qui operatur in nobis et velle et perficere pro bona sua voluntate. Et ex Deo salus, e nobis perditio est. [118]
X. Wie Gott den Menschen durch seinen ewigen Rathschluß wiedergebracht habe. X. Consilium Dei Æternum de Reparatione Hominis. Wiewohl nun der Mensch durch diese seine Schuld und Uebertretung zur ewigen Verdammniß verurtheilt und in den gerechten Zorn Gottes gefallen ist, so hat doch Gott, der gnädige Vater, nie aufgehört, Sorge für ihn zu tragen, welches wir aus der ersten Verheißung und aus dem ganzen Gesetz (durch welches die Sünde erweckt, nicht erlöscht wird), und aus dem Herrn Christo, der dazu verordnet und gegeben ist, klar und offenbar genug merken und verstehen können. [119] Hujus igitur hominis hac culpa damnationi addicti, et in indignationem justam incurrentis, nunquam tamen curam gerere Deus Pater desiit. Id quod ex primis promissionibus, legeque tota (quæ peccatum excitat, non extinguit) et a Christo in hoc destinato præstitoque perspicuum est. [120] XI. Von dem Herrn Christo, und was wir durch ihn haben. XI. Jesus Christus et quæ per Christum. Dieser Herr Christus, ein wahrer Sohn Gottes, wahrer Gott und Mensch, hat in der Zeit, die Gott von Ewigkeit dazu bestimmt hat, die wahre menschliche Natur, mit Leib und Seele angenommen, hat zwei unterschiedene, unvermischte Naturen in einer eingen unzertrennlichen Person, welche Annehmung menschlicher Natur darum geschehen ist, daß er uns, die todt waren, wieder lebendig und zu Miterben Gottes machte, weßhalb er auch unser Bruder geworden ist. [121] Hic Christus verus Dei Filius, verusque Deus, et homo verus, quum juxta præfinitum tempus hominem totum, id est, anima et corpore constantem assumpsisset, in una individuaque persona duas, sed impermixtas naturas obtinens, ut vitæ mortuos nos restitueret, et Dei cohæredes faceret, frater noster factus est. [122] Dieser Herr Christus, der Sohn des wahren, lebendigen Gottes, hat Is sacrosanctam divinitatis unione carnem, nostræ (peccato
das Fleisch, das durch die Vereinbarung mit der Gottheit heilig ist, unserm Fleisch in allen Dingen gleich, ausgenommen die Sünde, weil es ein reines, unbeflecktes Opfer sein sollte, aus der unbefleckten Jungfrau Maria durch Mitwirkung Gottes des heisigen Geistes angenommen, für uns in den Tod gegeben, zu einer Bezahlung, Begnadigung und Abwaschung aller Sünden. [123] solum excepto, quoniam illibatam esse hostiam oportebat) per omnia similem, ex intacta Virgine Maria, Spiritu Sancto cooperante, sumens, in mortem ad universi peccati expiationem tradidit. [124] Und damit wir eine vollkommne Hoffnung und Vertrauen unsers unsterblichen Lebens haben möchten, hat er sein Fleisch, das vom Tode zum Leben wieder auferweckt, zur Rechten seines allmächtigen Vaters gesetzt. [125] Idem ut esset plena nobis perfectaque immortalitatis nostræ spes et fiducia, suam ipse carnem, de morte suscitatam, in coelum ad omnipotentis Patris dexteram collocavit. [126] Dieser Herr Christus, der den Tod, die Sünde und alle höllische Gewalt übenwonden und besiegt hat, ist unser Vorgänger, unser Führer und unser Haupt; er ist der rechte Hohepriester, der da sitzt zur Rechten Gottes, und unsre Sache überall beschirmt und führt, bis er uns zu dem Bilde, zu dem wir geschaffet sind, reformire und zurückbringe, und in die Gemeinschaft seines göttlichen Wesens einführe. [127] Hic morte, peccato, inferisque omnibus triumphatis, victor duxque, et caput nostrum, ac pontifex vere summus [ad dexteram Patris], sedens, causam nostram perpetuo tuetur agitque, dum ad imaginem ad quam conditi eramus, reformet. [128] Aus diesen Herrn Jesum Christum warter wir, daß er kommen werde am Ende der Welt, als ein wahrer, gerechter Richter, der das wahre Urtheil über alles Fleisch, von ihm zum Urtheil auferweckt, fällen wird; die Frommen und Gläubigen wird er in den Himmel Hunc venturum ad sæculorum omnium finem, verum rectumque judicem, ac sententiam in omnem carnem, ad id judicium, prius suscitatam, laturum, ac pios supra ethera evecturum, impios corpore et anima ad æternum
führen, und die Ungläubigen wird er mit Leib und Seele in die ewige Verdammniß stoßen und verdammen. [129] exitium damnaturum, expectamus. [130] Dieser Herr Jesus, wie er allein unser Mittler, Fürsprecher, Opfer, Hoher Priester, Herr und König ist, also erkennen wir ihn allein, und glauben von ganzem Herzen, daß er allein unsre Versöhnung, unsre Erlösung, Heiligung, Bezahlung, Weisheit, Schirm und Rettung sei. Hier verwerfen wir alles das, was sich als Mittel, Opfer und Versöhnung unsers Lebens und Heils darstellt, und erkennen keines, als allein den Herrn Christum. [131] Qui ut solus est mediator, intercessor, hostia, idemque et pontifex, dominusque, et rex noster, ita hunc solum agnoscimus ac toto corde credimus conciliationem, redemptionem, sanctificationem, expiationem, sapientiam, protectionem, assertionem nostram solum: omne hîc simpliciter vitæ salutisque nostræ medium, præter hunc solum Christum, rejicientes. [132] XII. Was der Zweck der evangelischen Lehre sei. XII. Scopus Evangelicæ Doctrinæ. Deßhalb soll in aller evangelischen Lehre das das höchste und vornehmste Hauptstück sein, das in allen Predigten nachdrücklich getrieben und in die Herzen der Menschen eingedrückt werden soll, nämlich, daß wir allein durch die einige Barmherzigkeit Gottes und durch das Verdienst Christi erhalten und selig werden. Damit aber die Menschen verstehen, wie nothwendig ihnen Christus zum Heil und zur Seligkeit sei, soll man ihnen die Größe und Schwere der Sünde durch das Gesetz und den Tod Chrsti auf's Hellste und Klarste anzeigen, vorbilden und vor Augen stellen. [133] Itaque in omni doctrina evangelica primum ac præcipuum hoc ingeri debet, sola nos Dei misericordia et Christi merito servari. Quo ut intelligant homines quam opus habeant, peccata eis per legem et mortem Christi luculentissime semper sunt indicanda. [134]