XIII. Wie uns die Gnade Christi und sein Verdienst mitgetheilt werden, und welche Frucht daraus folge. XIII. Christianus et Officia ejus. Solche hohe und große Wohlthaten göttlicher Gnade und die wahre Heiligung des Geistes Gottes erlangen wir nicht durch unsre Verdienste oder Kräfte, sondern durch den Glauben, der eine lautere Gabe und Geschenk Gottes ist. [135] Ista vero tam divina beneficia, ac veram Spiritus Dei sanctificationem, fide mero Dei donc, haud ullis aut viribus aut meritis nostris consequimur. [136] [XIV.] Was der Glaube sei. [137] XIV. De Fide. [138] Derselbe Glaube ist ein gewisser, fester, ja unbezweifelter Grund und eine Ergreifung aller der Dinge, die man von Gott hofft, welcher daraus die Liebe und demnach allerlei Tugenden und guter Werke Frucht wachsen macht. Und wiewohl die Frommen und Gläubigen sich in solchen Früchten des Glaubens ohne Unterlaß üben, so schreiben wir doch die Frommmachung und das erlangte Heil nicht solchen Werken, sondern nur der Gnade Gottes zu. Quæ fides certa et indubita omnium sperandarum de Dei benevolentia rerum substantia est et apprehensio. Ex sese caritatem ac mox præclaros virtutum omnium fructus pullulat. Non quidquam tamen his officiis, licet piorum, sed ipsi simpliciter justificationem et partam salutem gratiæ Dei tribuimus. Dieser Glaube, der sich nicht seiner Werke, wiewohl er unzählbare gute Werke wirft, sondern der Barmherzigkeit Gottes tröstet, ist der rechte, wahre Dienst, mit dem man Gott gefällt. [139] Atque sic quidem solus verus Dei cultus est, fides inquam nulla operum fiducia, operum fæcundissima. [140] XIV. [XV.] Von der Kirche. XV. Ecclesia. Wir halten dafür, daß aus den lebendigen Et ex talibus lapidibus super
Steinen, die auf diesen lebendigen Felsen gebauet sind, eine heilige, allgemeine Kirche, die Gemeinschaft und Versammlung aller Heiligen, die Christi Braut und Gemahl ist, welche er durch sein Blut reinige, und endlich dem Vater ohne Tadel ganz unbefleckt darstelle, gebaut und versammelt werde. vivam hanc petram, hoc pacto inedificatis, ecclesiam construi, sanctamque sanctorum omnium collectionem et immaculatam Christi sponsam esse tenemus, quam Christus sanguine suo lavet et purificet, et tandem Patri suo eam sine macula et ruga statuat et tradat. Und wiewohl diese Kirche und Versammlung Christi allein den Augen Gottes offen und bekannt ist, so wird sie doch durch äußere Zeichen, Gebräuche und Ordnungen, die von Christo selbst eingesetzt und geordnet sind, und durch das Wort Gottes, als durch eine allgemeine, öffentliche und ordentliche Zucht, nicht allein gesehen und erkannt, sondern auch also gesammelt und gebaut, daß zu dieser Kirche Neimand (ordentlich zu reden und ohne besondre von Gott geoffenbarte Freiheit) ohne diese Dinge gezählt wird. [141] Qua quidem quum solius sit Dei oculis nota, externis tamen quibusdam ritibus, ab ipso Christo institutis, et Verbi Dei velut publica legittimaque disciplina, non solum cernitur cognosciturque, sed ita constituitur, ut in hanc sine his nemo {nisi singulari Dei privilegio) censeatur. [142] XV. [XVI.] Von den Dienern des Wortes Gottes und dem Dienste der Kirche. XVI. De Ministerio Verbi. Deßhalb bekennen wir auch, daß die Diener der Kirche Mitarbeiter Gottes sind, wie sie der heilige Paulus nennt, durch die er seinen Gläubigen Erkenntniß seiner selbst und Vergebung der Sünden zutheilt und darbietet, die Menschen zu sich bekehrt, aufrichtet, Atque hanc ob causam ministros ecclesiæ cooperarios esse Dei (quod et Paulus agnoscit) fatemur, per quos ille et cognitionem sui, et peccatorum remissionem administret, homines ad se convertat, erigat, consoletur,
tröstet, ja, auch schreckt und richtet, doch in dem Verstande, daß wir in dem Allen alle Wirkung und Kraft dem Herrn Gott allein, dem Diener aber das Zudienen zuschreiben; denn gewiß ist es, daß diese Kraft und Wirkung seinem Geschöpfe jemals beigelegt werden soll, noch kann, sondern Gott theilt sie aus nach seinem freien Willen, denen er will. [143] terreat etiam et judicet. Ita tamen, ut virtutem et efficaciam in his omnem Domino, ministerium ministris tamen adscribamus. Nam hanc virtutem efficaciamque nulli omnino creatures alligari, sed libera Dei dignatione dispensari [quomodo et] quibus ipse velit, certum est. [144] [Nihil enim est, qui rigat, neque qui plantat, sed qui dat incrementum Deus.] [145] XVI. [XVII.] Von der Macht der Kirche. XVII. Potestas Ecclesiastica. Die Macht, das Wort Gottes zu predigen und die Schäflein des Herrn zu weiden, welches eigentlich zu reden das Amt der Schlüssel ist, schreibt allen Menschen vor Eine Form zu leben, sie seien hoch oder niedern Standes. Dieß Ansehn soll, als ein Befehl Gottes, hoch, theuer und unverletzt sein; es soll auch Niemand diese Macht zur Verwaltung übertragen werden, er sei denn zuvor durch die göttliche Stimme und Wahl, durch diejenigen, die von der Kirche durch wohlerwogene Rathschläge als Ausschuß dazu bestimmt und erwählt sind, tauglich und geschickt dazu erfunden und erkannt. [146] Ipsa autem verbi, et pascendi gregis Dominici auctoritas, quæ proprie clavium potestas est, cunctis, summis æque et imis præscribens, sacrosancta inviolabilisque esse, et vel divino Dei, vel certo et consulto ecclesiæ suffragio, electis tantum ad ministrandum committi debet. [147]
XVII. [XVIII.] Von der Erwählung der Diener der Kirche. XVIII. Electio Ministrorum. Dieß Amt und dieser Dienst soll Niemand befohlen oder vertraut werden, er sei denn zuvor in der Heiligen Schrift und der Erkenntniß des Willens Gottes wohlberichtet, in Frömmigkeit und Unschuld des Lebens unsträflich, und im Fleiß und Ernst, die Ehre und den Namen Christi zu fördern, eifrig und inbrünstig erfunden und erkannt worden, nämlich durch die Diener und Vorsteher der Kirche; auch die, welche aus der christlichen Obrigkeit, als von der Kirche wegen, zu solchem Amt erwählt sind. Und weil dasselbe eine rechte, wahre Wahl Gottes ist, sollen sie durch das Urtheil der Kirche und Auflegung der Hände der Aelteren als billig und recht erkannt und angenommen werden. [148] Est enim functio hæc nulli, quem non et legis divinæ peritia, et vitæ innocentia, et Christi nominis studio singulari esse compererint et judicarint ministri ecclesiæ, et iis, quibus id negotii per Christianum magistratum ecclesiæ nomine commissum est, concedenda. Quæ quum vera Dei electio sit, ecclesiæ tamen suffragio et manuum presbyterorum [sacerdotis] impositione recte comprobatur. [149] XVIII. [XIX.] Wer der Hirt und das Haupt der Kirche sei. XIX. Pastor Quis. Christus selbst ist allein das wahre und rechte Haupt und der Hirt seiner Kirche; derselbe giebt seiner Kirche Hirten und Lehrer, die aus seinem Befehl das Wort und das Amt der Schlüssel ordentlich und rechtmäßig, wie oben gemeldet, führen. Deßhalb wir diejenigen, die allein mit dem Namen Bischöfe sind, und das Haupt zu Rom weder bekennen, noch annehmen. [150] Christus ipse verum suæ ecclesiæ caput ac pastor solus est is ecclesiæ suæ pastores dat et doctores, qui in ecclesia externa hac clavium potestate legitime sic concredita recte et legitime utantur. Unde illos titulotenus tantum pastores, caputque romanum minime agnoscimus. [151]
XIX. [XX.] Was das Amt sei der Diener und der Kirche. XX. Ministrorum Officia. Das Allerhöchste und Vornehmste in diesem Amte ist, daß die Diener der Kirche Reue und Leid über die Sünde, Aenderung des Lebens und Verzeihung der Sünde predigen, und das Alles durch Christum; ferner, daß sie unaufhörlich für das Volk bitten, der Heiligen Schrift und dem Worte Gottes in Lesen und heiliger Betrachtung ernstlich und fleißig obliegen, mit dem Worte Gottes, als mit dem Schwerte des Geistes, in alle Wege den Teufel mit tödtlichem Hasse verfolgen und seine Kraft unterdrücken und schwächen, daß sie die gesunden Bürger Christi beschirmen, die bösen aber warnen, zurückdrängen und entfernen, und wenn sie in ihrem Frevel und ihren unverschämten Lastern die Kirche Christi wollten für und für ärgern und verwüsten, sollen sie durch diejenigen, die von den Dienern des Wortes und christlicher Obrigkeit dazu verordnet sind, ausgestoßen, oder auf andere fügliche und schickliche Weise gestraft und gebessert werden, bis sie ihren Irrthum bekennen, sich ändern und gesund werden; dann aber soll der Bürger Christi, der also ungesund und krank gewesen und ausgeschlossen ist, wieder in die Kirche aufgenommen Summum functionis hujus munus est, poenitentiam et peccatorum per Christum, remissionem prædicare: pro populo incessanter orare, sanctis studiis verboque Dei indefesse invigilare, atque Verbo Dei velut gladio Spiritus, et arte omnigena Satanam internecino semper odio persequi ac debilitare, Christi cives sanos quidem tueri, vitiosos autem monere, reprehendere, coërcere, et grassantes longius, ecclesiæ, id est, Christi confoederatorum conspiratione consensuque pio, tota ditione aut ejicere ac proscribere, aut alia ratione commoda emendare tantisper, [152] dum resipiscant et salvi fiant. Is enim ad ecclesiam civi Christi morbido regressus est, si conversis animis studiisque {quo omnis hæc disciplina spectat) errorem agnoscens confiteatur suum, et disciplinam sanam ultro jam requirat, ac
werden, wenn er sich bekehrt und mit großem Ernst seine Sünde und seinen Irrthum bekennt und gesteht (denn dazu soll diese Strafe dienen) und Arzenei für seine Krankheit willig sucht, sich in geistliche Zucht begiebt, und mit neuem Fleiß und Erst in der Frömmigkeit alle Frommen erfreut. [153] studio pietatis novo pios omnes exhilaret. [154] XX. [XXI.] Von der Kraft und Wirkung der Sacramente. XXI. De Vi et Efficacia Sacramentorum. Der Zeichen, die man Sacramente nennt, sind zwei, nämlich die Taufe und das Nachtmahl des Herrn. Diese Sacramente sind bedeutsame, heilige Zeichen hoher, heimlicher Dinge; sie sind aber nicht bloße und leere Zeichen, sondern bestehen in Zeichen und wesentlichen Dingen. Denn in der Taufe ist das Wasser das Zeichen; das Wesentliche aber und Geistliche ist die Wiedergeburt und die Aufnahme in das Volk Gottes. Im Nachtmahl oder Danksagung sind Brot und Wein Zeichen; das Wesentliche aber und Geistliche ist die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, das Heil, das am Kreuz erobert ist, und Vergebung der Sünden, welche wesentliche, unsichtbare und geistliche Dinge im Glauben empfangen werden, so wie die Zeichen leiblich, und in diesen geistlichen, wesentlichen Dingen besteht die ganze Kraft, Wirkung und Frucht der Sacramente. Signa, quæ, [in ecclesia Christi] et sacramenta vocantur, duo sunt, baptismus, et eucharistia. Hæc rerum arcanarum symbola non nudis signis, sed signis simul et rebus constant. In baptismo enim aqua signum est, at res ipsa regeneratio adoptioque in populum Dei. In eucharistia panis et vinum signa sunt, res autem communicatio corporis Domini, parta salus, et peccatorum remissio. Quæ quidem, ut ore corporis signa, sic fide spiritus percipiuntur. Nam in rebus ipsis totus fructus sacramentorum est.
Deßhalb bekennen wir, daß die Sacramente nicht allein äußere Zeichen sind christlicher Gesellschaft, sondern wir bekennen sie für Zeichen göttlicher Gnade, durch welche die Diener der Kirche mit dem Herrn in der Absicht und zu dem Ende, wie er es uns selbst verheißt, anbietet und kräftiglich verschafft, wirken, jedoch, wie oben von den Dienern des Wortes gesagt ist, nämlich, daß alle heiligende und seligmachende Kraft Gott, dem Herrn, allein zugeschrieben wird. Unde asserimus sacramenta non solum tesseras quasdam societatis Christiana, sed et gratiæ divinæ symbola esse, quibus ministri, Domino, ad eum finem quem ipse promittit offert et efficit, cooperentur, sic tamen, qualiter de verbi ministerio dictum est, ut omnis virtus salvifica uni Domino transscribatur. XXI. [XXII.] Von der Taufe. XXII. Baptisma. Die Taufe ist nach der Einsetzung des Herrn ein Bad der Wiedergeburt, [155] welches der Herr seinen Auserwählten mit einem sichtbaren Zeichen durch den Dienst der Kirche, wie oben gesagt und erläutert ist, anbietet und darstellt. Baptisma quidem ex institutione Domini lavacrum regenerationis quam Dominus electis suis, visibili signo per ecclesiæ ministerium (qualiter supra expositum est) exhibeat. In diesem heiligen Bade taufen wir unsre Kinder darum, weil es unbillig wäre, daß wir diejenigen, die von uns, einem Volke Gottes, geboren sind, der Gemeinschaft des Volkes Gottes sollten berauben, die doch durch das göttliche Wort dazu bestimmt und diejenigen sind, von denen man vermuthen soll, sie seien von Gott erwählt. [156] Quo quidem sancto lavacro infantes nostros idcirco tingimus, quoniam e nobis (qui populus Domini sumus) genitos populi Dei consortio rejicere nefas est tantum non divina voce huc designatos, præsertim quum de eorum electione pie est præsumendum. [157]
XXII. [XXIII.] Vom Nachtmahl des Herrn, oder von der Danksagung. XXIII. Eucharistia. Vom heiligen Nachtmahl halten wir also, daß der Herr in demselben seinen Leib und sein Blut, das ist, sich selbst den Seinen wahrlich anbietet, und zu solcher Frucht zu genießen giebt, daß er je mehr und mehr in ihnen, und sie in ihm leben. Nicht, daß der Leib und das Blut des Herrn mit Brot und Wein natürlich vereinbart oder räumlich darein verschlossen werde, oder daß eine leibliche, fleischliche Gegenwärtigkeit hier gesetzt werde, sondern daß Brot und Wein nach der Einsetzung des Herrn hochbedeutende, heilige, wahre Zeichen seien, durch die von dem Herrn selbst, vermittelst des des Dienstes der Kirche, die wahre Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi den Gläubigen gereicht und angeboten werde, nicht zur vergänglichen Speise des Bauches, sondern zur Speise und Nahrung des geistlichen und ewigen Lebens. [158] Coenam vero mysticam, in qua Dominus corpus et sanguinem suum, id est, seipsum suis vere ad hoc offerat, ut magis magisque in illis vivat, et illi in ipso. Non quod pani et vino corpus et sanguis Domini vel naturaliter uniantur: vel hic localiter includantur, vel ulla huc carnali præsentia statuantur. Sed quod panis et vinum ex institutione Domini symbola sint, quibus ab ipso Domino per ecclesiæ ministerium vera corporis et sanguinis ejus communicatio, non in periturum ventris cibum, sed in æternæ vitæ alimoniam exhibeatur. [159] Dieser hohen und heiligen Speise gebrauchen wir oft, daß wir, dadurch erinnert, den Tod und das Blut des gekreuzigten Christus mit den Augen des Glaubens erblicken, und unser Heil mit einem Vorgeschmack des himmlichen Wesens und mit einer wahren Empfindung des ewigen Lebens betrachten. Hoc sacro cibo idcirco utimur sæpe, quoniam hujus monitu in crucifixi mortem sanguinemque, fidei oculis intuentes, ac salutem nostrum, non sine coelestis vitæ gustu, et vero vitæ æternæ sensu, meditantes, hoc spirituali, vivifico intimoque pabulo, ineffabili