SYMBOLA EVANGELICA.
EVANGELICAL SYMBOLS
PART SECOND:
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ARTICULI SIVE CONCLUSIONES LXVII. H. ZWINGLII.
A.D. 1523.
The Sixty-Seven Articles or Conclusions of Ulrich Zwingli.
[These Theses of Ulrich Zwingli (1484-1531) were publicly discussed and successfully defended at the religious conference in Zurich, Jan. 29, 1523, and prepared the way for the introduction of the Reformation in German Switzerland. They exhibit the first creed of the Reformed Churches (seven years older than the Lutheran Confession of Augsburg). Their form, consisting of brief, concise propositions, is much better adapted for a creed than the lengthy argumentative discussions of many later and more authoritative confessions. They never acquired a strictly symbolical authority, not even in Zurich, but may justly claim a place in this Collection on the ground of their historical importance. We give the original in High-German, with some of the old readings in foot-notes, together with the Latin translation (instead of the less intelligible Swiss dialect in which Zwingli wrote them, and which is reproduced by Niemeyer, pp. 1 sqq.). For an abridgment in English, see the History of Creeds, Vol. I. pp. 363 sqq.]
Diese nachbestimmten siebenundsechszig Artikel und Meinungen bekenne ich Huldrich Zwingly in der löblichen Stadt Zürich gepredigt zu haben aus Grund der Schrift, die theopneustos (d.i. von Gott eingegeben [65] ) heißt, und erbiete [66] mich, mit ihr genannte Artikel zu beschirmen und zu erobern, und wenn ich jetzt berührte Schrift nicht recht verstünde, mich bessern Verstandes, doch aus ehegedachter Scrift, berichten zu lassen. Elenchus Articulorum in disputationem primam promulgatorum ab Huldrico Zwinglio. I. Alle, welche sagen, das Evangelium sei nichts [67] ohne die Bewährung der Kirche, irren, und schmähen Gott. I. Quicunque Evangelion nihil esse dicunt, nisi ecclesiæ calculus et adprobatio accedat, errant, et Deum blasphemant. II. Die Summe des Evangeliums ist, daß unser Herr Jesus Christus, wahrer Gottessohn, uns den Willen seines himmlischen Vaters kund gethan, und uns mit seiner Unschuld vom Tode erlöset und Gott versöhnet hat. II. Summa Evangelii est, quod Christus Filius Dei vivi notefecit nobis voluntatem Patris coelestis, et quod innocentia sua nos de morte æterna redemit, et Deo reconciliavit. III. Daher ist Christus der alleinige Weg zur Seligkeit Aller, die je waren, sind und sein werden. III. Hinc sequitur Christum esse unicam viam ad salutem omnium, qui fuerunt, sunt et erunt. IV. Wer eine andere Thür sucht IV. Quicunque aliud ostium vel
oder zeigt, der irrt, ja, ist ein Seelenmörder und ein Dieb. quærit vel ostendit, errat; quin animarum latro est et fur. V. Daher Alle, die andere Lehre dem Evangelium gleich oder höher achten, [68] irren, und wissen nicht, was Evangelium ist. V. Quicunque ergo alias doctrinas Evangelio vel æquant vel præferunt, errant, nec intelligunt quid sit Evangelion. VI. Denn Christus Jesus ist der Wegführer und Hauptmann, dem ganzen [69] menschlichen Geschlechte von Gott verheißen und gegeben: [70] VI. Nam Christus Jesus dux est et imperator, a Deo toti generi humano et promissus et præstitus: VII. Daß er ein ewiges Heil und Haupt sei aller Gläubigen, die sein Leib [71] sind, der aber todt ist und nichts vermag ohne ihn VII. Ut sit ipse salus et caput omnium credentium, qui corpus eius sunt, quod quidem absque ipso mortuum est, et nihil potest. VIII. Daraus [72] folgt, zuerst, daß Alle, die in dem Haupte leben, Glieder und Kinder Gottes sind, und das ist die Kirche oder Gemeinschaft [73] der Heiligen, eine Hausfrau Christi, ecclesia catholica. VIII. Ex his sequitur, quod omnes, qui in isto capite vivunt, sunt membra et Filii Dei. Et hæc est ecclesia seu communio sanctorum, sponsa Christi, ecclesia catholica. IX. Zum andern, daß, wie die leiblichen Glieder ohne Leitung [74] des Hauptes nichts vermögen, also an dem Leibe Christi Niemand etwas vermag ohne sein Haupt, Christus. IX. Quemadmodum membra corporis sine administratione capitis nihil possunt, sic in corpore Christi nemo quidquam, potest sine capite eius, Christo. X. Wie der Mensch taub [toll] ist, wenn die Glieder etwas ohne das Haupt wirken, sich selbst reißen, verwunden, beschädigen, also, wenn die Glieder Christi etwas ohne ihr Haupt Christum sich unterstehen, sind sie taub [toll], schlagen und beschweren sich selbst mit unweisen Gesetzen. X. Quum membra absque capite aliquid operantur, ut, dum sese lacerant aut perdunt, demens est homo: sic, dum membra Christi sine capite Christo aliquid tentant, insana sunt, sese gravant et perdunt imprudentibus legibus. XI. Daher wir sehen, daß der soganannten XI. Colligimus hinc Ecclesiasticorum
Geistlichen Satzungen von ihrer Pracht, Rechthum, Ständen, Titeln und Gesetzen eine Ursache aller Unsinnigkeit sind, da sie mit dem Haupte nicht übereinstimmen. [75] (quos vocant) traditiones et leges, quibus fastum, divitias, honores, titulos legesque suas fulciunt et defendunt, causam esse omnis insaniæ; nam capiti Christo non consonant. XII. Also toben sie noch, nicht von des Hauptes wegen (denn das befleißigt man sich aus Gottes Gnade zu dieser Zeit hervorzubringen), sondern weil man sie nimmer will lassen toben, sondern auf das Haupt allein hören. [76] XII. Adhuc ergo insaniunt non pro capite, quod per gratiam Dei pii omnes summo studio conantur erigere, sed quod non permittuntur insanire et furere. Volunt enim pii soli capiti Christo auscultare. XIII. Wo man darauf hört, [77] da erlernt man lauter und klar den Willen Gottes, und wird der Mensch durch seinen Geist zu ihm gezogen und in ihn verwandelt. XIII. Verbo Dei quum auscultant homines, pure et synceriter voluntatem Dei discunt. Deinde per Spiritum Dei in Deum trahuntur et veluti transformantur XIV. Darum alle Christenmenschen ihren höchsten Fleiß anwenden [78] sollen, daß das Evangelium Christi allein gepredigt werde allenthalben. XIV. Summo igitur studio hoc unum in primis curent omnes Christiani ut Evangelium Christi unice et synceriter ubique prædicetur. XV. Denn in dem Glauben an dasselbe steht unser Heil, und im Unglauben daran unsere Verdammniß; denn alle Wahrheit ist klar in ihm. XV. Qui credit Evangelio, salvus erit; qui non credit, condemnabitur. Nam in Evangelio omnis veritas clarescit. XVI. Im Evangelium lernt man, daß Menschenlehre und Satzungen zur Seligkeit nichts nützen: XVI. In Evangelio discimus, hominum doctrinas et traditiones ad salutem nihil esse utiles: Merck Bapst. [79] XVII. Daß Christus ein einiger, ewiger, oberster Priester ist, daraus ermessen wird, daß, die sich für oberste Priester ausgegeben haben, der Ehre XVII. Christus unicus æternus et summus est sacerdos. Qui ergo se pro summis sacerdotibus venditant, gloriæ et potentiæ Christi
und Gewalt Christi widerstreben, ja, sie verwerfen. [80] adversantur, et Christum rejiciunt. Von der Messe. XVIII. Daß Christus, der sich selbst Ein Mal aufgeopfert hat, in Ewigkeit ein immerwährendes und bezahlendes Opfer ist für aller Gläubigen Sünden. Daraus ermessen wird, daß die Messe nicht ein Opfer, sondern des Opfers Wiedergedächtniß sei, und Versicherung [81] der Erlösung, die Christus uns bewiesen hat. XVIII. Christus qui sese semel in cruce obtulit hostia est et victima satisfaciens in æternum pro peccatis omnium fidelium. Ex quo colligitur, missam non esse sacrificium, sed sacrificii in cruce semel oblati commemorationem et quasi sigillum redemptionis per Christum exhibitæ [82] Fürbitte der Heiligen. XIX. Daß Christus ein einiger Mittler ist zwischen Gott und uns. XIX. Christus unicus est Mediator inter Deum et nos. XX. Daß uns Gott alle Dinge will in seinem Namen geben. Daraus folgt, [83] daß wir außer dieser Zeit keines Mittlers bedürfen, als seiner. XX. Omnia nobis per Christum et in nomine Christi præstat Deus. Hinc sequitur, nobis extra hanc vitam intercessore præter Christum nullo opus esse. XXI. Daß, wenn wir für einander auf Erden bitten, wir das dergestalt thun, daß wir vertrauen, allein durch Christum werden uns alle Dinge gegeben. XXI. Quum mutuo pro nobis hic in terris oramus, in hoc [84] facere debemus, quod per solum Christum omnia nobis dari confidamus. Gute Werke. XXII. Daß Christus unsere Gerechtigkeit ist; woraus wir ermessen, daß unsere Werke so viel gut sind, so viel sie Christi sind; so viel sie aber unser, nicht recht, nicht gut sind. XXII. Christus est nostra institia. Hinc consequitur, opera nostra eatenus esse bona, quotenus sunt Christi; quatenus vero nostra, non esse vere bona. Wie der Geistlichen Gut Christi sey. XXIII. Daß Christus die Habe und Pracht dieser Welt verwirft; woraus wir ermessen, daß die, welche Reichthümer XXIII. Quod Christus substantiam hujus mundi et fastum contemnit, docet, quod hi, qui sub
an sich ziehen in seinem Namen, ihn gräßlich schmähen, wenn sie ihn zu einem Deckmantel ihres Geizes und Muthwillens machen. Christi titulo divitias ad se rapiunt, ipsum magna infamia afficiunt, quum cupiditatis suæ et luxus eum patronum faciunt. Speise-Verbot. XXIV. Daß ein jeder Christ zu den Werken, die Gott nicht geboten hat, unverbunden ist; er darf allezeit alle Speisen essen. Daraus erlernt wird, daß Käse- und Butterbriefe [85] ein römischer Betrug [86] sind. XXIV. Christianorum nullus ad ea opera, quæ Christus non præcepit, adstringitur; quolibet tempore, quolibet cibo vesci potest. Consequitur ergo literas, quas pro caseo et butyro dant pontificii, Romanas esse imposturas. Von Feiertag und Wallfahrt. XXV. Daß Zeit und Ort den Christenmenschen unterworfen sind, und der Mensch nicht ihnen. Daraus gelernt wird, daß die, welche an Zeit und Ort binden, die Christen ihrer Freiheit berauben. XXV. Tempus et locus in potestate sunt hominis, non homo in illorum potestate. Qui ergo tempus et locum [87] alligant, Christiana libertate pios fraudant et spoliant. Kutten-Kleidung, Zeichen, etc. XXVI. Daß Gott nichts mißfälliger ist, als Gleißen. Daher erlernt wird, daß Alles, so sich schön macht vor den Menschen, eine schwere Gleißnerei und Verruchtheit ist. Hier fallen Kutten, Zeichen, Platten, etc. XXVI. Nihil magis displicet Deo quam hypocrisis. Hinc discimus hypocrisim esse gravem, et impudentem audaciam quidquid sanctum se simulat coram hominibus. Hic cadunt cuculli, signa, rasus vertex, etc. Orden und Secten. XXVII. Daß alle Christenmenschen Brüder Christi und unter einander sind, und Keinen auf Erden Vater nennen [88] sollen. Da fallen hin Orden, Secten, Rotten, etc. XXVII. Omnes Christiani fratres sunt Christi, et fratres inter sese, patrem ergo super terram [89] vocare non debent. Hic cadunt factiones et sectæ.
Die Geistlichen Ehe. XXVIII. Daß Alles, was Gott erlaubt, oder nicht verboten hat, recht ist; daher erlernt wird, daß die Ehe allen Menschen geziemt. XXVIII. Quidquid Deus non vetat et permittit, juste fit. Ex quo discimus matrimonium omnibus ex æquo convenire. Der unreine Geistliche nehme ein Weib. XXIX. Daß Alle, die man Geistliche nennt, sündigen, wenn sie, nachdem sie inne geworden sind, daß ihnen Gott, Reinigkeit zu halten, versagt hat, sich nicht durch die Ehe sicher stellen. [90] XXIX. Qui Ecclesiastici vulgo seu spirituales vocantur, peccant, dum, posteaquam senserint castitatem sibi a Deo negatam, non uxores ducunt aut nubunt. Gelübde der Reinigkeit. XXX. Daß die, welche Reinigkeit verheißen, närrisch oder kindisch zu viel übernehmen. Daraus erlernt wird, daß, die solche Gelübde annehmen, freventlich an den frommen Menschen handeln. XXX. Qui vovent castitatem, stulta præsumptione et puerili arrogantia tenentur. Qui ergo ab eis vota hujusmodi vel exquirunt vel oblata recipiunt, injuriam eis faciunt et tyrannidem in simplices exercent. Von dem Bann. XXXI. Daß den Bann kein einzelner Mensch Jemand auflegen mag, sondern die Kirche, das ist die Gemeinschaft derer, unter denen der das Bannes Würdige wohnt, sammt deren Wächter, das ist der Pfarrherr. XXXI. Excommunicationem nemo privatus ferre potest, sed ecclesia in qua excommunicandus habitat una cum episcopo. XXXII. Daß man allein den bannen mag, der ein öffentliches Aergerniß giebt. [91] XXXII. Nemo potest nec debet excommunicari, quam is, qui sceleribus suis publice offendit. Von unrechtfertigem Gut. XXXIII. Daß ungerechtes Gut nicht Tempeln, Klöstern, Mönchen, Pfaffen, Nonnen, sondern den Dürftigen gegeben werden solle, wenn es XXXIII. Ablata injuste non templis, monasteriis, non monachis aut sacerdotibus, sed pauperibus danda sunt, si iis quibus
dem rechten Besitzer nicht wieder zugewendet werden mag. ablata sunt restitui commode non possunt. Von der Obrigkeit. XXXIV. Die sogenannte geistliche Gewalt hat keinen Grund ihrer Pracht aus der Lehre Christi. XXXIV. Potestas quam sibi Papa et Episcopi, cæterique quos spiritales vacant, arrogant, et fastus, quo turgent, ex sacris literis et doctrina Christi firmamentum non habet. Weltliche Gewalt von Gott. XXXV. Aber die weltliche hat Kraft und Befestigung aus der Lehre und That Christi. XXXV. Magistratus publicus firmatur verbo et facto Christi. XXXVI. Alles, wovon der sogenannte geistliche Stand vorgiebt, es gehöre ihm zu von Rechts wegen und zum Schutze des Rechts, gehört den weltlichen [Obrigkeiten] zu, wenn sie Christen sein wollen. XXXVI. Jurisdictio aut juris administratio, quam sibi dicti spirituales arrogant, tota magistratus sæcularis est, si modo velit esse Christianus. XXXVII. Ihnen sind auch alle Christen schuldig gehorsam zu sein, Niemand ausgenommen; XXXVII. Magistratibus publicis omnes Christiani obedire debent nemine excepto. XXXVIII. Sofern sie nichts gebieten, das wider Gott ist. XXXVIII. Modo contra Deum nihil præcipiant! XXXIX. Darum sollen alle ihre Gesetze dem göttlichen Willen gleichförmig sein, also, daß sie den Bedrückten beschirmen, ob er schon nicht klagte. XXXIX. Leges magistratuum ad regulam divinæ voluntatis sunt conformandæ, ut oppressus et vim passos defendant et ab injuria asserant, etiam si nemo queratur. XL. Sie mögen allein mit Recht tödten, auch allein die, welche ein öffentliches Aergerniß geben, ohne Gott zu erzürnen, er heiße denn ein anderes. XL. Magistratus jure duntaxat occidere possunt, atque eos tantum qui publice offendunt, idque inoffenso Deo, nisi Deus aliud præcipiat. XLI. Wenn sie recht mit Rath und Hülfe dienen denen, für die sie Rechenschaft XLI. Quum illis, pro quibus rationem reddere coguntur, consilia